Schatzkisten

29/05/2019

 

„Den Sorglosen gehört die Welt.“

 

 

Ich will so gerne etwas über Geduld schreiben. Aber ich könnte wohl genauso gut eine Abhandlung  über Quantenphysik schreiben oder einen neuen Songtext für die Stones…unwahrscheinlich, dass eines von beidem ernsthafte Abnehmer finden würde. Genau.

 

 

Dabei bräuchte ich so dringend ein bisschen von dieser kostbaren Tugend. Ich als Mama, als Studentin, als Working Mom, als Tochter, Schwester, Freundin und als Ehefrau, ach, eigentlich als alles, was ich in meinem Alltag so verkörpern will.

 

 

Wenn man Wikipedia bedient, dann ist Geduld eine „Fähigkeit zu warten oder etwas zu ertragen“ und geduldig, wer „bereit ist, mit ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen zu leben…“

 

 

Klingt hart. Ist es auch. Trotzdem  habe ich das Gefühl, es müsste eine Möglichkeit geben, diese Tugend zu kultivieren, sie für sich zu gewinnen und einen Vorteil daraus zu ziehen…

 

 

Trotz, Schlampigkeit, Nervosität, übersteigerter Ehrgeiz  – all das sind Gefühle, gegen die man gerade im Kreis der Familie wohl nur mit Geduld etwas ausrichten kann.

 

 

Wenn ich geduldig mit meinen Kindern rede, und wenn auch nur aufgesetzt geduldig, habe ich das Gefühl, dass sich etwas tut.

 

 

An guten Tagen klappt das hervorragend, da scheint die Sonne, da mache ich mein Geduldskästchen auf und hole eine gute Prise davon heraus: für meinen bockigen Junior, der sich die Ohren zuhält, während ich rede, für verschmierte Hausaufgaben...

 

 

... für rotzige Ansagen von Dreikäsehoch zu Elternteil, für Tausende von Socken, die verstreut in unserer Wohnung herumliegen oder für meinen Mann, der mal wieder einen Termin im Job vorschieben muss – mitten während meiner Klausurvorbereitung…

 

An weniger guten Tagen erwische ich mich dabei, wie ich mich aufführe wie ein Clown. Dann sage ich alles doppelt und dreifach, da steht und liegt alles im Weg, jeder blöde Kommentar ist einer zu viel, die Sonne scheint ganz und gar NICHT und es regnet hässliche Nachrichten und zwar von allen Seiten. Da klemmt dann mein Geduldskästchen und mit jedem Nörgler zieht es sich fester zu. Gerade da, wo man sie am dringendsten braucht, die Prise Geduld.

 

 

Meine Geduld geht flöten, wenn ich das Gefühl habe, dass meine Werte verletzt werden oder ich mich machtlos fühle. Ich habe keine schlauen Ratschläge für solche Situationen. Im Gegenteil, ich suche welche. Bis dahin besinne ich mich auf den kleinen Nebensatz aus der Definition von Geduld, der besagt, dass man alternativ zur Akzeptanz von unerfüllten Wünschen und ungestillten Sehnsüchten, diese negativen Gefühle auch „zeitweilig bewusst zurückstellen kann.“ Das klingt deutlich besser. Damit kann ich etwas anfangen.

 

 

Also nehme ich mein Ärgerkästchen hervor - das ist übrigens immer offen (bei Eltern heutzutage sowieso, oder?)- und stecke meinen Verdruss da hinein und stelle es beiseite. Er ist dann zwar immer noch da, ich muss ihn aber nicht mit mir herumtragen und mir die Laune verhageln lassen.

 

 

So kann ich die Hochzeit meines Schwagers genießen, obwohl mir Minuten zuvor eine Flasche in der Handtasche ausgelaufen ist, die Zahnlücke meines Großen niedlich finden, auch wenn er beim Essen alle mit seinem Schmatzen übertönt, über die Witze der Jungs lachen, wenn sie mal wieder ihre 5 Minuten haben...

 

 

 ... oder meinen Mann danach fragen wie sein Geschäftstermin lief und  gemeinsam mit ihm über den Sinn und Unsinn der Arbeitswelt philosophieren. Oder ich kann einfach in der Wiese liegen und Wolken gucken und merken, wie schön es ist, wenn sie so friedlich vorbeiziehen, ganz langsam. Voller Geduld.

 

 

Und wenn der Ärger dann wieder von innen an den Deckel klopft, kommt man vielleicht mit einer ganz anderen Energie an ihn heran. Mit ein wenig mehr Kreativität beim Finden von Lösungen, mit einer besseren Balance, um die richtigen Strippen zu ziehen und hoffentlich mit ein wenig mehr Gelassenheit. Denn wer weiß schon, was das Leben noch Herrliches oder Schreckliches für uns bereit hält?  

 

 

Es wird sich alles zeigen. Alles was wir brauchen, ist ein wenig: Geduld.

 

Eure in Geduld sich übende...

 

 

 

 

 

 

                                                                                

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